Montag, 2. November 2009

Die Hochzeit und das Ende der Regenzeit

Liebe Freunde und Familie,

ja, ich war dieses Wochenende in Phnom Penh und bin schon einen Tag früher nach Hause gekommen. Warum das? Das werde ich gleich in aller Ruhe erläutern.

Erst müssen wir uns nochmal daran erinnern, warum ich überhaupt nach Phnom Penh gefahren bin (für die, dies immer noch nicht wissen: Phnom Penh = Hauptstadt Kambodschas). Ich hatte vor gut zwei Wochen eine Einladung zu einer Hochzeitsfeier bekommen, die in Phnom Penh, genauer in der Don Bosco Technical School stattfinden sollte. Vielleicht erinnert Ihr Euch ja noch ein wenig an die Bilder, die ich von der Schule bei Facebook hochgeladen habe. Die Braut war die Patentochter Brother Robertos, deswegen ist auch der gesamte Lehrerkreis der Hotel Schule eingeladen worden.
Wir sind also am Freitag gemeinsam in einem Van oder besser einen Kleinbus, nach Phnom Penh gefahren. Auf der Fahrt habe ich wieder Tod und Schrecken geschwitzt (das sagt man nicht oder?), da unser Fahrer halsbrecherisch über das Land gerast ist. Ich habe mich dazu entschlossen einfach die Augen zuzumachen und das hat dann letztendlich auch ganz gut geklappt. Aber ich hoffe, ich muss das nie wieder machen...
Wir sind aber heil angekommen und nach einem kleinen Nachmittagstee im Don Bosco House (der Sitz des Don Bosco Children Funds) in der Nähe der Innenstadt sowie einem Aufenthalt in einem Guesthouse, da die Lehrer ja irgendwo schlafen mussten, sind wir dann zur Technical School gefahren und dort habe ich mein Zimmer bezogen und mich schleunigst umgezogen. Ich muss gestehen, dass ich mit einem vollen Anzug leicht overdressed gewesen wäre, also habe ich das Jacket im Zimmer gelassen. War eh zu warm dafür!
Das Zelt, unter dem die Feier stattfand, war recht klein und die Tische eng aneinander gedrängt. Das Essen war sehr gut, auch wenn man zwischendurch nicht wusste, auf welchem Knochen von kleinen Enten man gerade rumkaut... Aber war sonst echt lecker und das Bier wurde unter den Kambodschanern fleißig verteilt. Dann wurde auch direkt schon getanzt, was auch das einzig sinnvolle war, denn die Boxen, die vielleicht 15 Meter von den Tischen entfernt standen waren so laut, der König hätte in seinem Zimmer mittanzen können. Also keine Reden, einfach getanze, was in Kambodscha so viel wie um den Tisch laufen und ein bisschen die Arme bewegen bedeutet. Deshalb habe ich das ja auch gut hinbekommen, aber für den Oskargewinner ist, wie wir seit dem Abiball wissen, kein Tanz zu schwer...
Beim Trinken von Bier haben die Kambodschaner eine weitere eigenart. Bevor ein Schluck genommen wird, muss natürlich erstmal angestoßen werden und zwar vor jedem Schluck, also alle 20 Sekunden. Dann machen die Kambodschaner auch gerne den Spaß, nach jedem Anstoßer das Glas auf Ex. Also wurde unter den Gästen das Bier in Dosen alle Minute nachgereicht und man merkte schnell, dass die Kambodschaner zu viel Bier nicht vertragen. Deswegen war die Feier auch schon um 21:00 Uhr vorbei bzw die meisten Gäste gegangen, aber was will man da auch noch, wenn man strunz ist :)
Das Brautpaar hat man nur zwischendurch einmal kurz gesehen. Natürlich dann, als die Torte angeschnitten wurde und dann noch zu einem Kuss, der sehr zögerlich dann auf die Wange kam. Na das können die Deutschen aber besser :)
Alles in allem eine sehr interessante Hochzeitsfeier (ja die Trauung habe ich nicht miterlebt) und wir waren dann auch froh um 22.00 Uhr ins Bett zu können, schließlich stand ja in den darauffolgenden Tagen viel Programm an.

Am Samstag sind wir zum Russian Market gefahren, den wohl günstigsten Markt in Kambodscha, bei den man alles unwichtiges Zeugs kriegen kann, nur natürlich nicht die Sachen, die man sucht. Dort haben Karin und ich Elena und ihren Freund, der am Donnerstag ankam getroffen und uns den Markt dann zusammen angeguckt. Anschließend zum Fluss gefahren, wo schon vieles für die kommenden drei Tage aufgebaut war. Dort musste ich dann auch einmal eine kulinarische Spezialität probieren, die ein bisschen nach Hühnchen schmeckte, aber irgendwie nicht so gut. Dann haben wir uns die Gegend in der Nähe des Flusses angeschaut und ich war mit den Gedanken schließlich eh den ganzen Tag woanders. Zur Feier des Tages sind Karin und ich (Elena und ihr Freund haben sich abgekoppelt) abends im Lemon Grass essen gegangen und ich hatte ein leckeres Curry in Erdnusssoße. Haben dann auch auf deutsch geredet, weil ich das gerade irgendwie brauchte. Dann auch nicht zu spät zur Technical School gefahren (Tuktuk-Fahrer hat sich erstmal total verfahren), damit ich noch mit Solveigh teleronieren konnte (war ja ein besonderer Tag und ich meine nicht Halloween).

Sonntag sind wir ganz früh aufgestanden, da man uns sagte das Fest beginne um 08 Uhr morgens und wir wollten besser so früh wie möglich da sein. Letztendlich begann es dann um 14 Uhr und wir haben die Zeit mit warten, rumlaufen, Gepäck aus der Schule holen, Bus nach Sihanoukville verpassen und Guesthouse suchen verbracht. Das Festival war nämlich überhaupt nicht aufregend, erst Bootsrennen, sehr unspektakulär, und abends dann wenigstens noch was schönes. Da wir den Bus verpasst hatten (Tuktuk-Fahrer hat sich wieder verfahren), hatten sich unsere Pläne spontan geändert (Solveigh das kennst du doch irgendwo her) und Karin entschied am folgenden Tag (also Montag) nach Kep und dann nach Kampot zu fahren, was in der Nähe von Sihanoukville liegt. Ich entschied mich den Nachtbus zu nehmen (dann muss man nämlich nicht den grausamen Verkehr aufm Land sehen), der um 02 Uhr morgens fuhr. Also haben wir uns die Zeit vertrieben mit einem Besuch im Centralmarket, wo ich mir dann auch zwei T-Shirts gekauft habe und einen Vorhang für eins meiner Fenster, Abendessen, dann Schiffe gucken, die teilweise echt nett gestaltet waren (hat es sich also doch gelohnt noch ein wenig zu bleiben?), nach einer Bar suchen und in einer französischen dann letztendlich noch ein Bier getrunken. Karin ist dann ins Bett und ich bin zum Fluss gegangen und habe das späte Treiben der Kambodschaner beobachtet. Da Solveighs Handy ja im Wasser gelandet bin, konnte ich nichtmal telefonieren...
Die Zeit ging dann aber doch irgendwie rum, mit Lesen zum Beispiel, und der Bus kam um viertel nach zwei an. Dort bin ich dann auch sofort eingeschlafen (sehr eng, wie im Flugzeug) und rechtzeitig zum Sonnenaufgang kurz vor Sihanoukville aufgewacht. Ich bin ja sehr froh, dass ich jetzt wieder hier bin, Phnom Penh ist einfach nicht so schön.
Jetzt habe ich noch bis Mittwoch frei und werde die Tage mit Musik und allem, was etwas damit zu tun hat, verbringen. Ein bisschen Zeit für mich, das wurde aber auch Zeit :)


In diesem Sinne viel Spaß beim Kommentare posten und bis zum nächsten Post.
Euer Krischan

PS: Das erste Foto erklärt sich von selbst, das ist die Hochzeitstorte.
Das zweite Foto ist Br Roberto (der mit der Fastglatze) und rechts von uns ausgesehen neben ihm ist das Brautpaar.
Das dritte Foto bin ich am Schlange essen.
Das vierte Foto ist eins der leuchtenden Boote, da lade ich aber beizeiten noch Bilder bei Facebook hoch.
Und das letzte Bild sind die ersten Sonnenstrahlen, als ich heute um 06 Uhr in Sihanoukville ankam.

8 Kommentare:

  1. Moment. Schlange essen?!? Und die ganze Zeit beim lesen hat ich gehofft dass das nur so aussah........

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  2. echt spannend!!
    komm mal wieder zu skype!
    ich hab bei fooma voll abgerockt!!!

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  3. Wie schmeckt denn "Schöange"???
    Ich glaub ich bleib mal lieber bei Luftschlangen zum Aschauen an Silvester oder irgendwelchen aus Weingummi... ;)
    Schön,dass du ein Stück Hamburg mit dem "Retter - St.Pauli-Shirt" in die weite Wält trägst!!
    Bin gespannt auf weitere Erlebnisse...

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  4. ...ich meinte natürlich "Schlange"...echt peinlicher Tippfehler,aber ich habe schließlich auch kein ABI gemacht näh... ; da kann man ja nicht so viel verlangen!

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  5. und st.pauli hat dann auch noch gegen hansa rostock 2:0 gewonnen!!!!! aber Schlange die wie Hühnchen schmeckt? Ich dachte, die isst man nur, wenn man in der Wüste notgelandet ist.....übrigens nur eine Frage der Zeit, bis die Tuktuk Fahrer ein Navi haben!

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  6. diese Hochzeitstorte fasziniert mich - ich finde sie so unglaublich schrecklich, dass ich sie schon wieder gut finde und das Bild ganz lange habe auf mich wirken lassen. Wie hat sie denn geschmeckt? Ich jedenfalls habe die Phantasie von süßer, glitschiger, aufgeweichter Pappe. Und sah die Braut wirklich so barbiemäßig aus - oder war das nur der Einfluss der Torte?

    Dafür, dass Du Schlange probiert hast, hast Du meine Hochachtung! Meine Neugier findet bei Fleisch kurz vor meinen Lippen ein jähes Ende.

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  7. Das mit der Hochzeit kriegen wir aber besser hin, oder?! Und auf eine schönere Torte bestehe ich auch ;) Obwohl ich Mama zustimmen muss, dass sie vor lauter Hässlichkeit schon wieder faszinierend ist.
    Ich hoffe, dass du mich nicht dazu bringst, Schlange zu essen, wenn ich komme. Termiten haben mir definitiv gereicht...

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  8. na das kriegen wir aber aufjedenfall hin.
    geht ja schonmal gut, dass wir das in Deutschland machen und die Kultur einfach doch angenehmer ist :)
    Schlange zu essen war aufjedenfall eine Erfahrung wert, das nächste Mal esse ich Heuschrecken, die sehen aber wiederlicher aus ;)
    Außerdem muss ich zugeben, dass ich lange gezögert habe, bevor ich die Schlange gekauft habe (1500 Riel, knapp 40 $ct...)

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