ich habe mir sehr viel Zeit gelassen seit dem letzten Blogeintrag. Es ist viel passiert und
irgendwie auch nicht so viel.
Der wohl bedeutendste Grund, warum ich auf mich warten ließ, war der, dass ich das Ladekabel
im Flughafen von Bangkok vergessen habe und die blöde Bangkok Airways haben mir nicht mal
auf meine Anfragen reagiert. Somit habe ich also wohl 6 Wochen ohne Laptop auskommen müssen.
Glücklicherweise habe ich aber von der Hotel Schule einen Ersatzlaptop bekommen, der aber
virenverseucht war. Internet hat nur mäßig funktioniert, zumal es außerdem nur zeitweise zur
Verfügung stand.
Auch wenn es keine gute Ausrede gibt (ich war wohl auch recht faul :) wird es jetzt dringend
Zeit, dass ich mal wieder was schreibe und ich befürchte, es könne länger werden, aber das
wird wohl darauf ankommen, wie gut ich mich an die vergangenen Wochen erinnere.
Also seit dem letzten Beitrag ist doch einiges passiert und ich werde auch nicht alles
bennen.
Die wohl bedeutenste Veränderung für mich, war der Umzug in mein neues Zimmer. Wie
ursprünglich angekündigt habe ich es nicht bereits im Dezember (stand September '09) oder
Januar (stand November '09) bezogen, sondern durfte noch bis Mitte Februar warten, obwohl
das Gebäude schon seit Ende Januar fertig war. Mein Zimmer selbst war noch nicht fertig
(weder Ventilator noch Klimaanlage und ohne eins der beiden hält man es nachts nicht aus)
und somit wartete ich einfach bis Mitte Februar.
Währenddessen wollte ich nicht so wirklich in die Arbeit zurückfinden, hat Indien doch so
ein Gefühl von Freiheit in mir entfacht, dass zurück in Kambodscha direkt wieder unterdrückt wurde. Aber schließlich haben sich auch ein paar meiner Studenten (viele kannten mich nach 3
Wochen noch nicht lange genug) über meine Rückkehr gefreut.
Die Arbeit selber hat sich nicht großartig geändert. Arbeitete ich ja jetzt dieselben Themen
mit neuen Studenten durch. (weshalb ich das ein oder andere Mal in ein Motivationsloch
gefallen bin...) Schnell habe ich festgestellt, dass es viele Studenten der Köche und
Housekeeping gibt, die mich mehr oder weniger nichtswissend anguckten. Was gerade bei
Computer ein größeres Problem darstellte. Dieses Problem hatte ich schon im Dezember
angesprochen, da aber nicht genug Lehrer vorhanden war, musste ich mich damit abfinden.
("Left click, please." - "0o What!?")
Ende Januar wurde mir veröffentlicht, dass ein neuer Lehrer an die Schule kommt. Schließlich
muss Karin, die holländische Voluntärin, deren Zeit um war, ersetzt werden. Mr Sophal kam
also und begann Englisch Level I (zur Erinnerung, ich habe Englisch Level II) zu
unterrichten. Damit kam auch die ersehnte Erleichterung in meinen Computerstunden. Sophal
sollte nämlich auch Computer für Cooking und Housekeeping Students unterrichten. Was bringt
einem ein Lehrer, der nur für zwei Stunden am Tag hierher kommt? In der zweiten Woche im
Februar übernahm, er den Unterricht auch schließlich und ich war froh, aber auch verwirrt,
dass das passierte, aber leider recht spät. Denn es waren nur noch drei Wochen bis zu den
Examen und jeder weiß, dass ein Lehrerwechsel nicht einfach und flüssig stattfindet. Aber
ich denke es tat denen gut (auch wenn ich Anfangs noch häufig gefragt wurde, wann ich wieder
unterrichte...), schließlich kann das ganze jetzt halb auf Khmer beigebracht werden und das
ist das, was die Studenten brauchten. Front Office und Food & Beverage sind zum Glück kein
Problem. Da sieht man aber auch, wer direkt und wer indirekt mit den Gästen
zusammenarbeitet.
Das war ein großer Fortschritt, denn nun habe ich wirklich viel mehr Zeit (bis zu zwei
Stunden am Tag) und kann meinen Unterricht gewissenhaft und sorgfältig vorbereiten (was ich
wirklich tue, wohl aber auch, weil nicht so viele Alternativen vorhanden sind :).
(Ich am Essen von frischem Pfeffer)
Einer meiner Studenten fragte mich Anfang Februar, ob ich nicht zu der Hochzeit seines
Bruders kommen möge. Als ertes dachte ich: Ohje, weitere vier Stunden auf den schrecklichen
Landstraßen von Kambodscha und das in einem Kleinbus...
Letztendlich war meine Neugier doch sehr groß, schließlich erlebt man das Leben auf dem Land
in Kambodscha und dazu noch in ärmeren Gegenden nicht alle Tage.
Also sind einer der Stundenten von mir und ich (seltsamerweise habe ich drei Studenten, die
alle Cousins voneinander sind... Wusste ich vorher nicht) in dem Taxi mit weiteren 17 Leuten
nach Kampot gefahren. Vier Stunden und es war gar nicht so schlimm, da die Straße nach
Kampot noch nicht so gut ist, wie die nach Phnom Penh. Leider war es sehr eng, gerade für
mich, und die 19 Leute in einem Auto für maximal 12 waren keine große Hilfe...
Aber angekommen (Kampot Trach oder so... sry, genauen Namen vergessen), war ich schon sehr
mit neuen Eindrücken überschwemmt.
Ich durfte in dem Haus von dem mich begleitenden Studenten übernachten (Piseth ist sein
Name) und mir wurde das größte Bett angeboten, welches ich dann mit Piseth teilte (all die
anderen der Familie haben auf dem Balkon bzw der Terrasse auf dem Boden geschlafen). Da wir
schon um 11 Vormittags angekommen waren, haben wir den Nachmittag damit verbracht, Orte aus
Piseths Jugend anzuschauen, u.a. einen Tempel, der in einem Berg ist. Um dorthin zu gelangen
musste man also erstmal durch eine Höhle gehen und schon fand man sich in einer völlig
anderen, filmreifen Welt wieder. Das war echt super beeindruckend!
Um 17 Uhr haben wir uns dann für die Hochzeit fertig gemacht (Anzugshose und weißes Hemd,
alles andere wäre zu heiß...) und haben uns auf bei den Häusern der anderen Cousins und
somit auf dem "Partygelände" eingefunden; es gab sogar eine Liveband, die (und das erste mal
habe ich mich darüber gefreut) Ojo como va gespielt hat. (kein Khmer Gedudel, wobei das ab
dem vierten Lied dann doch Khmer Gedudel war ;( ... )
Das Essen war typisch Khmer (nicht alles nach meinem Geschmack) und dann wurde natürlich
wieder getanzt, was feierlich mit dem Aufbauen eines Tisches eingeleitet wurde. (es ist
wirklich unglaublich, wie sehr der Tisch mit Blumen in die Tanztradition der Khmer
verwachsen ist. Ohne Tisch kein Tanz...)
Das Tanzen hat mir auch Spaß gebracht, zumal ich häufig gelobt wurde und alle gerne mit mir
tanzen wollten (keine Angst, traditioneller Khmertanz ist nicht schwer. Wer mag kann bei mir
einen Crashkurs erhalten, wenn ich wieder zurück bin! :). Der Spaß endete aber damit, dass
einer der älteren Herren, mir andauernd zeigen wollte, wie ich zu tanzen habe (exakt so wie
er) und das nach dem 10. Lied zu nervig für mich war und ich mich dann vom Tanzen gedrückt
habe. Damit hörte auch das Bier trinken auf und ich wurde müde.
Am nächsten Tag sind wir gegen Mittag zurück gefahren. Das ganze war echt eine schöne
Erfahrung und ich würde sie gerne nochmal machen (zwei Tage später bekam ich zwei weitere
Einladungen für Hochzeiten, die aber leider ungünstig auf die Zeit der Examen fielen). Habe
aber auch nette Fotos davon, die ich versuche bei Facebook hochzuladen (und auch mal wieder
hier).
Dann kamen die Midterm Examen der 6th Batch Students (also die, die ich seit Dezember
unterrichtete) in greifbarer Nähe. Ich durfte wieder mal Examen kreieren und war froh, dass
ich für Englisch noch die Vorlage vom Dezember hatte. Computer war leider nicht möglich zu
wiederholen, da ich noch nicht so weit mit meinen Studis gekommen bin. Was wohl daran liegt,
dass ich intensiver und ausführlicher unterrichtete (bestes Beispiel dafür ist eine
Zusammenfassung dessen, was ich unterrichtet habe in einer PowerPointPräsentation, die mit
53 Seiten immer noch nicht zu ende ist... Aber habe gerade keine Lust diese
zuvervollständigen).
Gerade sitze ich übrigens als Aufsicht bei meiner Englischklausur und stelle den Blogeintrag
fertig. Da ich heute morgen bei den Skill (in diesem Fall Food & Beverage) schon zwei
Strafen verhängt habe ist es auch dementsprechend ruhig. Die Strafen stehen in Form von 10
Minuspunkten auf deren Klausur und bei 100 Maximalpunkten ist das auch gar nicht wenig.
Naja, selbst Schuld...
Mein Zimmer ist erträglich geworden, die Klimaanlage hat gelegentlich ein paar Aussetzer,
aber das lässt sich alles verkraften. Das Zimmer ist wohl sogar weniger als halb so groß wie
mein vorheriges, aber da ich direkt angrenzend eine eigene Küche habe (wo die Voluntäre
jetzt auch immer essen), habe ich meinen Arbeitsplatz dorthin neben den TV verlegt.
Inzwischen habe ich auch einen richtigen Schrank für meine Kleidung, ist ganz nett. Und die
warme Dusche, die ich eigentlich bei dieser Hitze nicht brauche, ist dank der Klimaanlage
doch sinnvoll. Ich warte jetzt noch auf eine Nachttischlampe, eine Uhr in der Küche und
einen Fußball. Ich habe viel Fußball gespielt (immer in dem wunderbaren Pauli-Trikot), aber
in den letzten Tagen gibt es wohl niemanden, der einen Fußball habe, also habe ich bei Br
Roberto angefragt und bekomme hoffentlich nächste Woche einen.
Desweiteren ist gerade ein Filmteam vom SWR hier und dreht etwas über die Hotelschule. Ihr
könnt mich also in ein paar Monaten im Fernsehen erwarten. (einen Artikel über mich gibt es
bereits bei www.storymacher.de zu kaufen :P Es waren nämlich vor zwei Wochen schonmal zwei
Journalisten hier, geschickt von Don Bosco Bonn)
Zu guter letzt muss ich hier erwähnen, dass mit dem heutigen Tag, an dem wir die Examen
abschließen, zwei wunderbare Monate starten. Der März, in dem ich Besuch von meinen Eltern
und Franci bekomme und der April, in dem Solveigh dann endlich hierherkommt.
Das bedeutet auch ein bisschen Urlaub für mich und ich bin mir sicher, dass ich den auch mal
wieder nötig habe (und endlich wieder ganz viel Deutsch sprechen :)
Bestimmt habe ich etwas besonders wichtiges vergessen (zum Beispiel den Kühlschrank, der nun
in meiner Küche steht), aber das kommt dann mit dem nächsten Beitrag, der vielleicht erst in
drei Wochen erscheint, wenn meine Familie dann wieder in das trübe Deutschland zurückgekehrt
ist.
Mit diesem Beitrag melde ich mich also zurück und begrüße die zweite Hälfte meines FSJ, die
in diesen Tagen begonnen hat. Jetzt sinds nur noch 6 Monate, bis ich zurück bin.
Und herzlichen Glückwunsch an alle Abiturienten, mit dem Vollenden eurer Abiklausuren. Jetzt
habt ihr das Abi schon fast in der Tasche :)
Alles Liebe,
euer Krischan
PS: Das war der Sieg der Goldmedaille bei unseren Olympischen Spielen ("Colored Sports", ich bin Gelb) in der Disziplin Fußball.
Das ist beim Fußball aber auch wirklich gemein, wenn du so groß bist und die so klein...
AntwortenLöschenSag mal bescheid ob und wann meine Geburtstagskarte ankommt!
das ist gar nicht gemein. die geben nämlich dafür alles, was manchmal sehr brutal ist :) habe mir bei dem spiel auch mein knie aufgeschlagen, weil ich böse gefoult wurde (direkt vor dem strafraum).
AntwortenLöschenSchön, mal wieder was von Dir zu mitzubekommen! Mit dem gelben Mützchen gefällst Du mir ausgesprochen gut. Wie schmeckt frischer Pfeffer? Vielleicht solltest Du zur nächsten Hochzeit Deine Trompete mitnehmen und mal so richtig pfeffrige Musik machen und in den Pausen dann Santana auflegen.
AntwortenLöschendas ist vielleicht eine ganz gute Idee :) Aber leider sind die Kambodschaner nicht sehr offen, was anderen Musikgeschmack betrifft (Beispiel: Ich höre Earth, Wind & Fire und werde gebeten leiser zu machen, da es zu viel Lärm ist....)
AntwortenLöschenIch habe nicht in den Pfeffer reingebissen, das habe ich mich nicht getraut :)
Weichei!
AntwortenLöschensach auf jeden fall nochmal bescheid, wenn die doku fertig ist, bitte!!!
AntwortenLöschengrüße
Übermorgen sind wir dann schon da! Und ich werde mal in den Pfeffer beißen. Eine gelbe Mütze hätte ich dann auch gerne aber ohne vorheriges Foul! Wir kommen dann von 0 Grad hier auf 30 Grad in Phnom Penh.....von 0 auf 30 in 24 Stunden. Das müsste doch gehen, oder?
AntwortenLöschenklar, die freunde von karin, der holländischen voluntärin, sind von 35 grad auf -15° gefallen...
AntwortenLöschenaber wenn ihr wieder geht, dann frühlingt es bestimmt schon in hamburg! die mütze ist ein tuch, dass ich mir ausgeliehen habe. und pfeffer gibts als pflanze hier in sihanoukville nicht...
Dann müsst ihr's wohl altmodisch mit ner Pfeffermühle versuchen...
AntwortenLöschen